DOGJOY ARBEITET NACH DER PHILOSOPHIE VON JAN NIJBOER

In der Hundeerziehung fand in den letzten Jahren eine revolutionär beschleunigte Entwicklung statt. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse sollten in die Hundeerziehung integriert werden.

Auf Hundeplätzen wurde früher oftmals wenig Rücksicht auf die Bedürfnisse des Hundes genommen. Kommandos, Befehle und Bestrafung kennzeichneten eine autoritäre (nicht zu vergleichen mit autoritativer) Erziehung. In der humanpädagogigschen Arbeit wurde früher sehr behavioristisch mit dem sogenannten »Token-System« gearbeitet. Obwohl dieses System eine Art Belohnungssystem darstellt, zielt es darauf ab, Individuen sich so verhalten zu lassen, wie es der »Erzieher« (passender wäre der Begriff Trainer) gerne hätte. Auch in einem solchen System stehen die eigenen Bedürfnisse des zu Erziehenden (Kind oder Hund) nicht im Mittelpunkt.

Verhalten wird fälschlicherweise innerhalb des Behaviorismus nicht unbedingt als Äußerung eigener Bedürfnisse, von Emotionen und von Denken gesehen. Das Belohnungssystem führt zu einer Ent-Personifizierung und gibt zu wenig Antworten auf die Fragestellungen des zu Erziehenden, ist also nicht responsiv. Der Hund auf dem Hundeplatz muss eher die Erwartungen des Erziehers schablonenmäßig erfüllen. Auch extrinsische Belohnungssysteme, wie z. B. das Leckerchentraining, können Machtmissbrauch sein. Das Leckerchen wird nämlich dann gegeben, wenn der Hund ein Verhalten im Sinne des Trainers zeigt. Gefragt wird nicht, ob dies auch im Sinne des Hundes ist oder ob der Trainer sich im Sinne des Hundes verhält. Das Verhalten wird hierbei mehr und mehr anhand erbrachter Leistungen beurteilt.

Beide Modelle, Arbeiten mit Befehlen und Bestrafung so wie auch die Arbeit mit Belohnungssystemen, sind somit Formen der autoritären Erziehung.

Oft werden Erziehungsstile in der Hundeerziehung gemischt angewandt. Sehr verbreitet ist leider die Kombination einer autoritären (z. B. in Form von Leckerchentraining) mit einer nachgiebigen (permissiven) Erziehung, bis hin zu einem egalitären Stil in Form des bekannten Laisser-faire. Hierarchiedenken ist »out«, gleichzeitig wird aber durch Belohnung Hierarchie eingesetzt. Wer wen belohnt, macht die Machtverhältnisse klar. Die Kehrseite von Belohnung ist Bestrafung. Nicht belohnen ist dann rasch eine Form der Bestrafung, weil dadurch das gezeigte Verhalten anerkannt wird. Da Verhalten eine Äußerung der persönlichen Emotionen, Bedürfnisse und des Denkens ist, kann somit unter Umständen die Persönlichkeit des anderen aberkannt werden.

Der Hund steht durch Anwendung von Belohnungssystemen mehr und mehr unter Leistungsdruck. Er ist durch Versuch und Irrtum, oft zwanghaft, auf der Suche nach dem Leckerchen und nach Anerkennung. Der egalitäre Stil ist wenig emotional. Hauptsache der Hund ist nicht lästig. Dieser Stil wird oft plötzlich mit dem autoritären Stil kombiniert. Ein Beispiel, welches leider eher Regel als Ausnahme ist: wenn es dem Hundebesitzer z. B. egal ist, was sein Hund unterwegs auf sich gestellt im Wald tut, er aber plötzlich sauer wird, wenn er nicht auf Rufen zurückkommt. Häufig wird auf den ersten Blick (»Freiheit« und Grenzen) die Kombination von egalitär und autoritär fälschlicherweise als autoritativ eingestuft. Der Spruch vieler Hundetrainer: »Jeder Hund muss lernen mit seiner Freiheit umzugehen!«, der ein Paradox in sich ist, ist symbolisch für diesen sozial desintegrativen Stil.

Bei Hundeerziehung auf Basis der neuesten Erkenntnisse der Psychologie und Neurobiologie wird bewusst der autoritative Erziehungsstil angestrebt. Statt einer starken Kontrolle wird die Betreuung und Aufsichtspflicht als Verantwortung des Erziehers im Interesse des Erziehenden gesehen. Der Mensch ist gefahren-vermeidend für den Hund tätig. Fü(h)rsorgliches Verhalten kennzeichnet eine parentale Rolle.

Im sozialen Lernen und in der Zusammenarbeit spielen die Bedürfnisse des Hundes eine wichtige Rolle. Es gibt zudem klare, vor allem aber kontextbezogene, durch den Erzieher gehandhabte und dadurch nachvollziehbare Tabus und Grenzen für den Hund.

Hunde, die konsequent autoritativ erzogen werden zeigen ein hohes Maß an Sozialkompetenz und Kooperationsbereitschaft. Durch die Grenzen fühlen sie sich geborgen und durch das verständnisvolle Verhalten der Erzieher wertgeschätzt.

Jan Nijboer, Vorwort aus der Broschüre Sachkundenachweis von Triple-S.